Was ist eine Aura?

Aura ist in der griechischen Mythologie die Göttin der Morgenbrise. Auch Migränepatienten wissen bei aufkommenden Wahrnehmungsstörungen, woher der Wind weht: Eine Aura kündigt einen Migräneanfall an. Was hat es mit der Aura bei Migräne auf sich?

Erst die Aura, dann die Kopfschmerzen

Grundsätzlich kann man eine „klassische“ Migräne mit Aura von einer Migräne ohne Aura unterscheiden. Erstere repräsentiert bis zu einem Viertel der Migräneanfälle. Vorangehende anfallsartige Wahrnehmungsstörungen kündigen die bald danach aufkommenden Kopfschmerzen im Vorfeld an. Es handelt sich dabei um sensorische Beeinträchtigungen, die zumeist den Sehsinn betreffen, aber auch alle anderen Sinne erfassen können. Ebenso sind andere neurologische Ausfälle möglich, etwa Sprachstörungen, Störungen des Gleichgewichtssinnes oder Kribbeln und Ameisenlaufen auf der Haut.

Diese Erscheinungen bilden sich innerhalb von fünf bis fünfzehn Minuten aus und dauern bis zu einer Stunde. Kommt der Migränekopfschmerz, ist die Aura fast immer bereits vorüber. In seltenen Fällen tritt lediglich die Aura auf und die Kopfschmerzen bleiben aus.

Die klassische Aura bei Migräne: Sehstörungen

Sehstörungen sind mit über 90 Prozent die häufigste Form einer Aura bei Migräne (visuelle Aura). Diese treten sowohl bei offenen als auch geschlossenen Augen auf, denn die Störung erfolgt nicht im Auge, sondern im Gehirn.

Dabei ist zwischen einer positiven und einer negativen Symptomatik zu unterscheiden. Bei einigen Patienten fehlen Teile des Gesichtsfeldes. Ein solcher blinder Fleck (nicht zu verwechseln mit der anatomischen Struktur der Netzhaut, an der der Sehnerv entspringt und die mangels Sehzellen kein Bild liefert) beginnt irgendwo im Gesichtsfeld, wandert und breitet sich immer weiter aus, ohne das vollständige Gesichtsfeld zu erfassen. Viele Patienten sind gegen Ende der Aura praktisch blind. Solche Sensibilitätsverluste bezeichnet man in der Augenheilkunde als Skotom (von griechisch σκότος, skótos – Dunkelheit).

In anderen Fällen kommen Seheindrücke hinzu. Hier spricht man von einem positiven Skotom. Meist leiden Patienten mit Migräne mit Aura an einem Flimmerskotom, das sich ähnlich äußert wie eine Blendung durch grelles Licht. In einem bestimmten, nicht zentral gelegenen Teil des Gesichtsfeldes tritt ein heller Fleck auf, der sich kaleidoskopartig dreht und immer größer wird. Gezackte Figuren, die an den Grundriss alter Festungsanlagen erinnern, bezeichnet man als Fortifikationen.

Andere Formen der Aura bei Migräne

Neben den klassischen Störungen des Sehsinnes kann die Aura zusätzlich den Geschmacks- und Geruchssinn beeinträchtigen oder Hör- und Gleichgewichtssinn beeinflussen. Bisweilen ist die Sprache gestört und es kommt zu Wortfindungsstörungen (Aphasie). Häufig sind auch Sensibilitätsstörungen der Haut, sodass man ein Kribbeln im Gesicht oder an Armen und Beinen empfindet oder Taubheitsgefühle und Lähmungserscheinungen auftreten.

Typisch für alle Formen der Aura ist ihre Beweglichkeit. Ein Flimmerskotom wandert über das Gesichtsfeld und Sensibilitätsstörungen auf der Haut von einer Stelle zu einer anderen.

Muss man eine Aura behandeln?

Eine gesonderte Behandlung der Aura ist nicht notwendig. Sie führt nicht zu Schädigungen von Nervengewebe und verschwindet nach einiger Zeit von selbst. Daher steht bei der Behandlung die Therapie oder Prophylaxe der Migräne selbst im Vordergrund.

Ursache der Aura bei Migräne

Vollkommen geklärt sind die Ursachen der Aura bei Migräne bis heute nicht. Man nimmt aber an, dass ähnlich wie bei der eigentlichen Migräne auch genetische Faktoren eine Rolle spielen. Man weiß zumindest, dass es sich bei der Aura um eine fokale Störung im Gehirn handelt, also nur bestimmte Gruppen von Gehirnzellen betrifft. Die Triggerfaktoren, die eine Migräne auszulösen vermögen, betreffen jedenfalls ebenso die Erscheinungen der Aura.

Migräne mit Aura: Vorsicht vor Fehldiagnosen!

Treten entsprechende neurologische Erscheinungen erstmalig auf, muss der behandelnde Arzt unbedingt andere Erkrankungen ausschließen. Sehstörungen können auch die Folge von Durchblutungsstörungen im Auge sein, die schlimmstenfalls in einem Infarkt der Netzhaut (Netzhautinfarkt) enden. Ebenso sind Sehstörungen, aber auch Sprachstörungen und Missempfindungen auf der Haut mögliche Anzeichen eines Schlaganfalles. Dieser muss unbedingt rechtzeitig erkannt und notfallmäßig behandelt werden!

„Erfahrene“ Migränepatienten kennen die Erscheinungen ihrer Aura hingegen nur zu gut. Sie merken selber am besten, ob sich die Anzeichen „wie üblich“ gestalten oder etwas daran ungewöhnlich ist und damit auf eine andere Erkrankung hindeuten könnte.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN):
    Langfassung der Leitlinien „Migräne, Therapie“. PDF. Wird zurzeit aktualisiert.
  • Deutsche Migräne – und Kopfschmerzgesellschaft(DMKG):
    • Informationen für Patientinnen und Patienten: Ernährung und Migräne. PDF>>.
    • Migräne-Kalender/Kopfschmerzkalender. PDF>>.
  • Matthias Keidel:
    Migräne: Ursachen, Formen, Therapie.

    München 2007: C. H. Beck-Verlag. ISBN-10: 3406536085.