Migräne bei Kindern

Migräne ist zweithäufigster Freistellungsgrund für die Schule

adolescent headache
Schon Vor- und Grundschüler leiden immer häufiger unter Kopfschmerzen, viele von ihnen sogar unter Migräne. Nach Rückenschmerzen ist die Migräne der zweithäufigste Freistellungsgrund für die Schule. Ursächlich für die Migränebeschwerden in so jungen Jahren sind häufig zu hohe schulische und leistungsbezogene Anforderungen, Mobbing und Ängste sowie innerfamiliäre Probleme. So ist die Migräne-Rate unter Scheidungskindern etwa fünf Prozent höher als unter Kindern aus intakten Familien. Davon abgesehen, dass eine Migräne die Lebensqualität der Kinder sehr stark einschränkt und ihr Schmerzempfinden negativ prägt, gestaltet sich auch die genaue Diagnostik bei Kindern deutlich schwieriger. Vor allem kleine Kinder können sich meist noch nicht gezielt ausdrücken und sollten daher in der Arztpraxis spielerisch zu ihren Beschwerden befragt werden.

Die genauen Ursachen der Migräne sind unbekannt

Woher die Migräne bei Kindern genau kommt, ist bislang nicht geklärt. Ähnlich wie bei Erwachsenen scheint jedoch emotionaler Stress eine wichtige Rolle bei dieser Erkrankung zu spielen. Rund zehn bis 15 Prozent aller Schulkinder im Alter von sechs bis 16 Jahren sind von Migräne betroffen, unter ihnen meist Kinder, die unter Leistungsdruck stehen, schulisch überfordert sind oder einen zu kleinen Freundeskreis haben. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass die betroffenen Kinder unter einem erhöhten Stresslevel leiden. Im Vergleich zu den vergangenen 20 Jahren sind die Zahlen der von Migräne betroffenen Kinder außerdem um rund ein Drittel gestiegen. Ob das nun der Tatsache geschuldet ist, dass Kinder in der heutigen Zeit noch mehr Stress und Druck erleben, oder aber ob Eltern und Ärzte einfach aufmerksamer für Migräne im Kindesalter geworden sind, ist umstritten.

Genetische Grundlagen als mögliche Ursache

Zwar sind die genauen Abläufe, die während einer Migräneattacke im Gehirn vonstatten gehen, nicht gänzlich erforscht, jedoch ist mittlerweile klar, dass einige Formen der Migräne genetische Ursachen haben. So leiden Zwillinge beispielsweise häufiger unter Migräne, als normale Geschwister. Auch ist nachvollziehbar, dass Kinder und Kleinkinder eher zu einer Migräne neigen, wenn ein Verwandter ersten Grades bereits davon betroffen ist oder war. Anzunehmen ist also eine bestimmte Disposition des Gehirns, die genetischen und erblichen Einflüssen unterliegt. Diese Disposition allein löst noch keine Migräne aus. Ist das Kind jedoch bestimmten Triggerfaktoren ausgesetzt, kann es im Gehirn zu einer Art Reizüberflutung kommen – die Migräne entsteht.

Bekannte Triggerfaktoren

Es sind unzählige Triggerfaktoren bekannt, die unter Verdacht stehen, Migräneanfälle bei Kindern auszulösen. Belege gibt es hingegen nur für einige wenige Schlüsselreize. Zu den begünstigenden Faktoren gehören:

  • Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmuses
  • Schulterverspannungen durch zu schwere Schulränzen
  • Angst vor der Schule oder vor Mitschülern und Lehrern
  • emotionaler Stress durch Mobbing oder Ärger daheim
  • erste Hormonschwankungen zu Beginn der Pubertät
  • Lebensmittel mit hohem Zuckergehalt und Koffein

So erkennen Sie Migräne bei Ihrem Kind

Zunächst einmal sollten Sie Kopfschmerzen bei Ihrem Kind immer ernst nehmen. Gerade kleine Kinder können ihren Eltern ganz sicher nicht sagen, dass sie gerade unter Migräne leiden, da sie den Begriff schlicht nicht kennen. Fragen Sie Ihren Nachwuchs also gezielt nach weiteren Symptomen, die auf eine Migräne hinweisen. Dazu gehören:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schwindel
  • Müdigkeit
  • Sehstörungen
  • ganzheitliche oder einseitige Kopfschmerzen von pochender und bohrender Qualität
  • plötzliche Blässe der Haut

Akuthilfe für Ihr Kind mit Migräne

Hat Ihr Kind also einen Migräneanfall, können Sie ihm helfen, indem Sie sein Zimmer abdunkeln und vor lauten Geräuschen abschirmen. Vielen Kindern helfen zudem Minzölmassagen der Schläfen und kalt-feuchte Tücher auf der Stirn und im Nacken. Auch Ablenkung tut Ihrem Kind gut, gehen Sie mit ihm auf eine Fantasiereise. Erfinden Sie dabei im Wechsel spannende Details und Sie werden sehen, Ihrem Sprössling geht es schon bald besser. Nach einem Migräneanfall sollten sich Eltern jedoch keinesfalls zurücklehnen. Der Arztbesuch ist für Kinder, die unter Migräne leiden, unumgänglich.

Quelle: Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft